Gavnøs Geschichte

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Gavnøs Geschichte

Gavnø Schloss ist eine der schönsten Kulturperlen Dänemarks mit einer außergewöhnlichen Geschichte. Gavnø ist eine kleine Insel bei der Stadt Næstved im Süden der größten dänischen Insel Seeland. 1231 erwähnt der dänische König Waldemar II. der Sieger „Das Haus“ auf Gavnø. „Das Haus“ war eigentlich eine stark befestigte Burg, die die Küsten von Süddänemark schützte. Das Haupteinkommen der damaligen Einwohner auf der Insel waren Seeräuberei und Plünderungen. Vom Anfang des 15. Jahrhunderts bis zur Einführung der Reformation in Dänemark im Jahre 1536 war auf der Insel ein Nonnenkloster für adlige Jungfrauen. 1737 übernahm der Graf Otto Thott, der sich sehr für Kunst interessierte, das Schloss. Er baute die große Sammlung von Gemälden und Rokokomöbeln sowie Büchern und Manuskripten auf. Das Schloss erscheint als ein wahres Rokokoschloss, sonnengelb und weiß, wie auch viele deutsche Rokokoschlösser. Heute ist das Schloss die Residenz von dem Baron und der Baronin Reedtz-Thott und deren Familie. Ein Teil vom Schloss steht für Besucher offen.

Hauptgebäude und Park

Im Jahre 1402 begann der Bau des Hauptgebäudes, als die Königin Margarethe I., eines der beiden dänischen Dominikanerinnenklöster erbauen ließ. Im Südflügel des Schlosses liegt die Klosterkirche, die heute genau wie im Jahre 1402 erscheint. Der Nordflügel ist 1650 gebaut, und er steht heute unter Denkmalschutz. Die Verbesserungen des Schlosses von Graf Otto Thott gibt es heute noch. Der Bau des Ostflügels und des Südflügels, wie sie heute erscheinen, wurde um 1750 beendet. Auch diese beiden Flügel stehen heute unter Denkmalschutz. Die Schlosskirche und ein Teil vom Schloss stehen vom April bis September für Besucher offen.

In den 1750er Jahren ließ Graf Otto Thott auch den Schlosspark anlegen. Ursprünglich war der Schlosspark ein klassischer Barockgarten französischer Prägung gekennzeichnet durch Alleen und Parterreanlagen. Um 1850 wurde der Garten im englischen Stil umgewandelt, so dass große, gepflegte Rasenflächen entstanden und dadurch die Aussicht über den Schlosspark schöner wurde. Genau diese Gartengestaltung mit Einzelstehenden, adligen Bäumen und großen Rasenflächen zeigte sich 100 Jahre später ideal für das Anlegen eines Blumenzwiebelgartens.

Eine Lindenallee mit Bäumen aus Kopenhagen

Im Jahre 1755 wurde die lange Lindenallee im Süden des Schlossparks gepflanzt, und sie hat eine interessante Geschichte, denn die Bäume kommen aus dem Platz Kongens Nytorv in Kopenhagen. König Friedrich V. von Dänemark und Norwegen ließ in Kopenhagen die Bäume pflanzen, aber als die Bäume zu groß für den Platz wurden, schenkte der König dem Grafen Otto Thott die Bäume. Die Bäume wurden auf Pferdewagen zum Gavnø Schloss transportiert und in den Schlosspark gepflanzt. Hier stehen sie groß und majestätisch im guten südseeländischen Gartenboden. Im Schlosspark gibt es einen künstlichen Hügel mit 12 prächtigen Lindenbäumen, der z.Z. Grafen Otto Thott angelegt wurde. Der Hügel heißt Troldehøjen (der Trollhügel). In der Gemäldesammlung gibt es einen Kupferstich aus dem Jahre 1703, der den Trauerzug des Christian Gyldenløve zeigt. Der Trauerzug geht von Thotts Palais auf dem Platz Kongens Nytorv. Auf dem Kupferstich sind die Linden abgebildet, bevor sie zum Gavnø Schloss transportiert wurden.

Die japanische Kirschallee

Durch seinen Onkel lernt der heutige Besitzer von Gavnø, Baron Otto Reedtz-Thott Mitte der 1980er Jahre den japanischen Unternehmer, Herrn Takaki, kennen. Kurz nach Kriegsende im Jahre 1948 gründete Herr Takaki eine Bäckerei in Hiroshima. 1959 besuchte er zum ersten Mal Dänemark und entdeckte das leckere Kopenhagener Gebäck, wovon er sehr begeistert wurde. Als erste japanische Bäckerei begann Takakis Bäckerei im Jahre 1962 mit dem Verkauf von Kopenhagener Gebäck.

Seit Jahren machte Herr Takaki Geschäfte mit einem im Besitz der Familie Reedtz-Thott stehenden Unternehmen, Tholstrup Cheese A/S, denn er importierte Käsen von Tholstrup Cheese A/S nach Japan, und als er in Dänemark war, wurde Herr Takaki zu Gavnø eingeladen. Er wurde sehr beeindruckt und war der Auffassung, dass Gavnø einer der schönsten Orte sei, den er je gesehen hatte.

Als Herr Takaki im Jahre 2001 starb, setzte sich seine Familie in Verbindung mit Baron und Baronin Reedtz-Thott. Zu Ehren ihres verstorbenen Vaters wünschten sie ein Denkmal für Herrn Takaki auf Gavnø zu errichten und zudem eine Allee mit 200 japanischen Kirschbäumen zu pflanzen.

Jedes Jahr besuchen Familienmitglieder von Herrn Takaki oder Repräsentanten des Unternehmens Andersen Group Gavnø, weil sie die japanische Kirschallee zu sehen wünschen und gleichzeitig den Ort erleben wollen, wovon der Gründer von Andersen Group so beeindruckt wurde. Seit 2007 hat Andersen Group zwei Bäckereien mit dem Namen”Andersen Bakery” in Kopenhagen eröffnet. Die schöne Allee und das Denkmal kann man auf dem Weg von Gavnøvej zu Gavnø Schloss sehen. Das Denkmal steht links von der japanischen Kirschallee, deren 200 Kirschbäume im Mai blühen.

Skulpturen und Denkmäler

Im Schlosspark gibt es eine große Anzahl von Skulpturen und Denkmäler, u.a. das Denkmal für Seine Exzellenz, Geheimrat, Lehnsbaron Kjeld Thor Tage Otto Reedtz-Thott – Ritter des Elefanten-Ordens und Ritter vom Dannebrog und Dannebrogsmann – der 61 Jahre lang Besitzer von der Baronie Gavnø war. Am 22. März 1912 wurde sein Denkmal errichtet. Zudem war der Lehnsbaron Rektor von Herlufsholm Schule und Schloss.

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